Mein großes Problem mit der Wahlkampagne der FDP

Ich bin mir immer noch nicht sicher, ob der von mir gewählte Text eine akzeptable Entscheidung ist oder es so wirkt als würde ich die Aufgabe nicht ernst genug nehmen. Aber der Text, der mich in den letzten gut 2 Jahren einfach am wenigsten losgelassen hat, ist ein 5 Jahre alter Reddit-Post mit dem Titel „Mein großes Problem mit der Wahlkampagne der FDP“ der unter dem Namen StandbytheSeawall veröffentlicht wurde.

Dieser Text, der eine Anklage gegen den Fokus auf Christian Lindners Attraktivität im Wahlkampf der FDP sein soll, lädt dazu ein, einfach nur als harmloser Witz aus dem Internet abgetan zu werden. Doch mich fesselt diese Geschichte um einen Mann, der mit seiner Sexualität und seiner politischen Gesinnung ringt auf eine skurrile Art.

Es beginnt beim Aufbau der Geschichte: Der erste Absatz zeigt, wie dem Erzähler doch eigentlich sowohl Wahlplakate als auch die FDP nicht im Geringsten interessieren, dann erläutert er, wie sicher er sich seiner Heterosexualität doch eigentlich ist. Nur um dann durch Christian Linder all das in Frage zu stellen. Wie in der klassischen Tragödie gibt es noch ein Retardierendes Moment, bevor der Erzähler dann dem Publikum einen Traum offenbart, in welchem Christian Lindner auftaucht und sich sexuelle Handlungen mit Wahlkampfslogans vermischen: Von „produktiven Koalitionsverhandlungen“, der „5%-Hürde“ und „Penetration first. Bedenken second.“ Ist die Rede, während der Erzähler und Christian Lindner miteinander intim werden.

Während die erste Reaktion, die dieser Text in mir auslöst, immer wieder eines meiner lautesten Lachen ist, ist es diese sehr eigene Darstellung von Intimität, diese Vermischung von Wahlkampf bzw. Politik mit dem sexuellen, die mich so an diesen Text fesselt und mich daran erinnert, meine Begriffe von Kunst und Literatur nicht zu eng zu halten.